Das Leben führte Luis (32, rechts im Bild) aus Guadalajara immer wieder nach Deutschland. Durch eine Liebe, Auslandsaufenthalte und Studienmöglichkeiten wurde die deutsche Sprache und Kultur Teil seines Alltags.  

Warum hast du Deutsch gelernt?

Als ich mich in eine Frau verliebte, deren Muttersprache Deutsch war, wollte ich ihre Welt kennenlernen. Aber die Liebe ist launisch. Dafür hielt meine Liebesbeziehung zur deutschen Sprache. Vor sechs Jahren fing sie mich ein, und es scheint, als hätte sie Hochzeitspläne. Deutsch zu lernen war keine Entscheidung, sondern ein natürlicher Prozess. Am Anfang brachte mir eine Freundin die Wochentage in einem Café bei. Dann schlug ich den akademischen Weg ein.

Fiel es dir schwer, Deutsch zu lernen?

Deutsch fällt mir nur im Kontext einer Klausur schwer, beim Sprechen und Lesen fühle ich mich sehr wohl. Wichtig war mir, an Gesprächen teilzuhaben und wenigstens das Thema zu verstehen. Im Studium stellte ich fest, dass es gut gewesen wäre, mehr Grammatik zu lernen. Aber meine chaotische Art die Sprache zu lernen, ermöglichte mir einen persönlichen Zugang. Vor kurzem gab es in meinem Vokabular keinen Dativ, aber die Leute verstanden mich. Eine Freundin sagt, ich spreche kein Deutsch, sondern “Luis-isch”, ein Deutsch, das ich mir selbst ausgedacht habe. Ich lerne jetzt Hochdeutsch, denn nicht alle verstehen “Luis-isch”. Aber es versteht ja auch nicht jeder Sächsisch.

Was hast du in Deutschland gemacht?

Ich studierte zehn Monate in Köln im Rahmen des Austauschprogramms der Uni Guadalajara mit der Uni Köln. Dann ging ich drei Monate für einen Sommerkurs nach Bonn und drei Monate für einen Forschungsaufenthalt nach Passau. Jetzt bin ich für ein Jahr in Leipzig, als Teil des binationalen Masters der Uni Guadalajara und des Herder Instituts der Uni Leipzig. Auf Deutsch heißt der Master DAF und auf Spanisch “Maestría en estudios interculturales en lengua, cultura y literatura alemanas”.

Was gefällt dir an Deutschland?

An Deutschland mag ich am meisten meine Freunde. Daselbe mag ich an Mexiko. Außerdem fällt es mir in Deutschland einfacher, vegetarisch zu leben, vor allem in Leipzig. In Mexiko gibt es zwar die Zutaten für ein vegetarisches Paradies, aber die Essensstände machen es dir nahezu unmöglich, vegetarisch zu leben. Im Gegenzatz zu den Klischees habe ich in Deutschland viele offene, herzliche und aufmerksame Menschen getroffen. Deutsche lachen mich dafür aus und behaupten, es liege an den Leuten, die ich kennenlernte, die Mehrheit sei anders. Vieleicht haben sie recht und ich hatte Glück nur Ausnahmen kennenzulernen.

Könntest du dir vorstellen für immer zu bleiben?

Ja. Aber das sollte sich ergeben. In meinem Leben gibt es diese drastischen „Für-Immer-Entscheidungen“ nicht. Ich mache erst meine Masterarbeit und versuche dann für einen Doktor zurück zu kommen. Mir gefällt der Gedanke, nicht für immer so weit weg von meiner Familie zu leben, deshalb sehe ich meine Aufenthalte als temporär an.

Welche deutsche Stadt gefällt dir am besten?

Köln, Leipzig und Münster sind meine Lieblingsstädte. Dort würde ich auch in Zukunft gern wohnen. Auf keinen Fall Passau. Diese Stadt ist für mich viel zu schön, so schön dass sie unbewohnbar scheint, wie ein Museum, wo man nichts anfassen darf. Passau ist perfekt für den Tourismus aber nicht für den Alltag. Leipzig und Köln sind wesentlich lebendiger.

Dieser Artikel wurde im Auftrag des ehem. Jugend-Online-Portals des Goethe Instituts „Todo alemán“ verfasst.