Nach dem Abi startete Nane (28) aus Erfurt das „Abenteuer Mexiko“. Während des Studiums in Deutschland ließ sie die zweite Heimat nicht los. „Beide Länder haben Vor- und Nachteile, aber ewig zwischen zwei Welten leben ist anstrengend“, sagt sie. Deshalb entschied sie sich für Mexiko.

Wann war klar, dass es nach dem Abi nach Mexiko gehen soll?

 Wir hatten seit der 9. Klasse Spanisch. Durch Referendare aus Spanien, Bolivien und Argentinien bekamen wir Einblick in verschiedene Kulturen. Außerdem besuchte ich Konzerte mexikanischer Bands, die mit einem „Mestizo-Mix“ einheizten. Das Fernweh war geweckt und ich beschloss, mit zwei Freundinnen ein Auslandsjahr in Mexiko zu machen. Mit 17 lag das Flugticket wie ein tickender Countdown in unseren Schubladen und nach dem Abi ging´s los.

Wohin?

 Das Fénix-Sprachinstitut in Cuernavaca vermittelte uns ein Praktikum. Erst machten wir einen Sprachkurs und lebten in einer Gastfamilie, dann in einer eigenen Wohnung. Ich machte ein Praktikum im Tourismusbüro und in einer Organisation für Bedürftige. Ich assistierte bei Basteltagen und besuchte Blechhütten, in denen teilweise acht Menschen mit Tieren hausten. Die Schere zwischen „bettelarm“ und „superreich“ war viel krasser als in Europa. Mit der Zeit verstand ich immer mehr Details der Kultur. Allein die Märkte, Feiern, Bus- und Taxifahrten, alles war neu und aufregend. Irgendwann war es alltäglich, wie ein zweites Zuhause, in dem alles ein bisschen anders funktioniert.

Und nach dem Auslandsjahr?

Ich studierte Ethnologie in Marburg und interkulturelle Studien in Berlin. Ich genoss das Studentenleben und schätze die vielfältige Kulturszene in Deutschland: Festivals, Wohnzimmerkonzerte, Poetry Slam und Kleinkünstlerbühnen. In dem Ausmaß findet man das in Mexiko leider nicht. Trotzdem vermisste ich Mexiko und absolvierte ein Auslandssemester an der Uni von Chetumal und ein einjähriges Praktikum bei einer Heilerin in Cuernavaca, da in Mexiko viele an Heiler, Hexen und die Kraft der Natur glauben. Darüber schrieb ich meine Masterarbeit. Nach dem Studium war ich frei und ging zurück nach Mexiko. Ein wichtiger Grund dafür war mein Freund. Wir lernten uns in meinem ersten Jahr in Mexiko kennen und führten seitdem eine Fernbeziehung mit Pausen und Warten. Das war für uns beide schwer. Ich arbeite jetzt bei einem Reiseveranstalter für Ökotourismus und fühle mich so heimisch wie nie. Ich habe mein festes, eigenes Umfeld und mag meine Kollegen sehr. Natürlich vermisse ich Freunde und Familie in Deutschland. Oft plagen mich Zweifel, ob die Entscheidung richtig war. In Deutschland fehlt mir Mexiko und in Mexiko vieles aus Deutschland. Ich habe eben zwei Zuhause, die ich liebe. Da werde ich wohl immer hin- und hergerissen sein.

Was schätzt du an Mexiko?

Das Leben im öffentlichen Raum. Städte und Dörfer haben zentrale Plätze, wo man zusammenkommt. Die Straßen sind voller leckerer Essensstände. Auch die bunten Häuser und die Musik überall, das Geräusch, das Müllmann und Messerschleifer machen, um Leute aus dem Haus zu locken. In Deutschland ist alles korrekter, hier darf man sein eigenes Haus nicht pink streichen oder Sachen auf der Straße verkaufen. In Mexiko ist das Leben improvisierter, nicht so geplant. Man versucht, nicht alles perfekt zu machen und kann auch ohne schlechtes Gewissen in den Tag hinein leben. Aber vor allem liebe ich das Klima. Ich brauche Wärme und Sonne, bei kaltem Wetter habe ich schlechte Laune.

Dieser Artikel erschien im ehem. Jugend-Online-Portals des Goethe Instituts „Todo alemán“.