Elisa bezeichnet sich als „Poblana“, weil sie aus Puebla, in Zentralmexiko stammt. Sie ist 27 Jahre alt und kam zufällig durch einen Sprachkurs in Kontakt mit der deutschen Sprache und Kultur. Heute findet sie es bereichernd durch die „Deutsche Brille“ eine andere Sichtweise zu haben. Derzeit plant sie ihren ersten Deutschlandaufenthalt.

Wie kam der Kontakt mit Deutschland zustande?

Ich belegte einen Englischkurs am Sprachinstitut von Volkswagen in Puebla, weil bei uns „deutsch“ mit „guter Qualität“ assoziiert wird. Wie man sich denken kann, wurden dort auch Deutschkurse angeboten. Aus Neugierde schrieb ich mich ein. Daraufhin erfuhr ich von der Ausbildung zur dreisprachigen Sprachassistentin im selben Institut und beschloss diese Ausbildung zu beginnen. Im letzten Semester absolvierte ich dann ein Praktikum bei Volkswagen de México in der Abteilung Personalwesen.

Was sind deine Erfahrungen mit Deutschen?

Ich hatte immer gehört, dass Deutsche kühl und ernst seien. Vielleicht hatte ich Glück, aber die Deutschen die ich kennenlernte waren sehr fröhliche Menschen. In der Arbeit fiel mir auf, dass die Deutschen sich strenger an Regeln hielten, ich denke Mexikaner sind flexibler. Zum Beispiel musste ich für die VW-Mitarbeiter die Anträge für Flüge nach Deutschland bearbeiten. Eigentlich hätten sich die Assistenten der Reisenden darum kümmern müssen, dass die Anträge auf unserem Tisch landeten, aber das haben sie oft vergessen. Ich habe dann selbst die Papiere von den Kollegen des Reisemanagements geholt, deren Büros gegenüber waren. Meine deutsche Kollegin meinte: „Und wenn du nicht mehr da bist? Wer macht das? Ich bestimmt nicht, das liegt nicht in meiner Verantwortung!“ Erstaunlich fand ich auch, dass die Hierarchien in Deutschland geringer zu sein scheinen. Mexikaner haben mehr Angst vor den Chefs. In meiner Abteilung fand wöchentlich eine Versammlung statt, in der sogar Praktikanten der Chefin offen die Meinung sagten, über alles was schief lief. Da sind Mexikaner zurückhaltender.

Arbeitest du inzwischen als Sprachassistentin und planst einen Aufenthalt in Deutschland?

Momentan studiere ich Geophysik, ich wollte mich umorientieren. Ich möchte demnächst ein Praktikum im Forschungszentrum für Geophysik in Potsdam machen, weil sich dieses mit allen Aspekten der Geo-Wissenschaften beschäftigt und mit weltweiten Instituten zusammenarbeitet. Es ist natürlich ein Vorteil, dass ich Deutsch spreche und so hatte die vorherige Ausbildung einen Sinn. Es scheint so, als ob meine Beziehung zu Deutschland aus einer Neugier heraus entstand und sich nun zu einem festen Bestandteil meines Lebens entwickelte. Ich erweiterte meinen Horizont und bekam eine neue Sichtweise auf verschiedene Dinge, auch auf meine eigene Kultur.

Und was gefällt dir an deiner eigenen Kultur, was liebst du an Mexiko?

Ich liebe Mexiko, weil es ein Land mit großer Vielfalt ist. Es ist reich an indigenen Dörfern mit verschiedensten Sprachen, reich an Klimazonen und Ökosystemen und natürlich an Kultur, Tradition und Speisen. Dann ist da die Vielfalt an Helden- und Nationalgeschichten, oder an Architektur, Tanz, Musik und Kunst. Ich liebe mein Land wegen den vielen einfallsreichen, arbeitsamen, starken, fröhlichen und liebenswürdigen Menschen.

Dieser Artikel erschien im ehem. Jugend-Online-Portals des Goethe Instituts „Todo alemán“.