Europäer waschen sich nicht und Latinos fehlt es an Hygienestandards. Deutsche sind ernst und arbeiten effizient, während Mexikaner immer lachen, sich Zeit lassen und alles auf „Mañana“ (Morgen) verschieben. Die Liste der Vorurteile und Klischees ist lang, Grund genug einige gegenüber zu stellen und Landsleute zu fragen.

Folgender Artikel erschien im ehem. Jugend-Online-Portal des Goethe Instituts „Todo alemán“.

Nicht schlechter und nicht besser, aber anders!

Die riesigen Märkte Mexikos sind faszinierend. Doch die Fleischabteilung schockiert den Besucher: Ungekühlte Schweineköpfe, Hühnerstapel, von der Decke hängende Rinder, Blut auf dem Boden. „Ich beobachtete wie eine Lieferung Schweine zu den Ständen geschleift wurde, hygienisch sah das nicht aus!“, meint Katha (27) aus Jena. Auch Käse und Mayonnaise brutzeln in der Sonne, so endet manche Leckerei für empfindliche Mägen mit langen Klobesuchen. Man denkt, in Mexiko sei Sauberkeit keine Stärke. Bis man mexikanische Haushalte betritt, die täglich komplett gereinigt werden. Mexikaner duschen bis zu drei mal am Tag und der Volksmund sagt: „Los Europeos no se bañan“ (Die Europäer waschen sich nicht). Pedro und Elisa (27) aus Puebla kennen dieses Vorurteil: „Es basiert darauf, dass wir in Mexiko glauben die Europäer leiden unter Wassermangel und können sich daher nicht oft duschen.“ Caro (25) aus Nürnberg hält die Mexikaner vor allem in Sachen Zahnpflege für überlegen: „Auf der Büro-Toilette in Mexiko herrschte stets Hochbetrieb, da die Mexikaner sich nach jedem Essen die Zähne putzen.“ Elisa fand das immer normal, bis sie mit einer Deutschen auf ein Konzert ging: „Als meine Freundin auf die Toilette musste, nutzte ich die Gelegenheit zum Zähneputzen. Sie lachte und meinte wir seien besessen davon.“ Wer hat schon beim Feiern eine Zahnbürste in der Handtasche?

Sehr witzig, hast wohl ´nen Clown gefrühstückt, was?

Auf Plätzen und in Bussen: Clowns finden in Mexiko viele Bühnen und ein großes Publikum, das sich totlacht. Wenn es Deutschen gelingt, die Witze zu verstehen, verdrehen sie die Augen. Der Humor scheint ihnen flach und die meist zweideutigen Witze platt. In Deutschland schätzt man Ironie und trockenen Humor, bei dem man auch um Ecken denkt. Mexikaner hingegen bezeichnen schlechte Witze schon mal als „un chiste aleman“ (ein deutscher Witz). Aber vielleicht finden Mexikaner deutsche Witze auch deshalb schlecht, weil die Pointe auf Spanisch nicht mehr funktioniert. Israel (29) aus Cuernavaca sagt auf die Frage nach dem deutschen Humor: „Ein übersetzter Witz ist kein Witz mehr. Daher kann ich selten über deutsche Witze lachen, die man mir auf Spanisch erzählt.“

Lächel doch mal!

Mexikaner lachen den ganzen Tag, haben herzliche Familien und nehmen das Leben leicht. Und Deutsche? Korrekt, zielstrebig und steif. Glaubt ihr das echt? „Ich denke Deutsche sind weniger fröhlich und nehmen die Dinge ernster, vielleicht liegt es am Klima,“ vermutet Pedro. „Mir fiel auf, dass Deutsche sich ernster unterhalten und es unangebracht scheint Witze zu machen. In Mexiko scherzt man zur Aufheiterung auch in traurigen Momenten,“ sagt Elisa. Auch Caro und Katha mochten die aufgeschlossene, herzliche Art der Mexikaner, die sogar Unbekannte mit Küsschen begrüßen. Aber die ständige Freundlichkeit führte auch zu Unsicherheit: „Mexikaner nehmen sich zurück und würden nie direkt sagen, was sie stört,“ sagt Caro. Katha erfuhr Ähnliches: „Mexikaner lächeln häufig auch wenn es ihnen nicht passt und beschweren sich woanders. Deutsche sind direkter.“ Und so ernst wie sie scheinen sind Deutsche gar nicht. Israel erzählt, er dachte immer seine deutschen Freunde streiten sich, obwohl sie nur energisch diskutierten. Für Mexikaner sind hitzige Streitgespräche untypisch, lieber lacht man miteinander.

Von Arbeitsbienen und Faultieren

Viel Quatschen – pünktlich gehen. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum man in der Arbeitswelt als „faul“ gelten könnte. Caro fand zwar, dass Mexikaner weniger effizient arbeiteten, aber länger im Büro sind. Auch Elisa meint: „Mexikaner nehmen in Kauf, länger zu bleiben, um alles zu beenden. Deutsche gehen meist pünktlich, auch wenn sie noch nicht fertig sind.“ Und welche Tücken erschweren den Arbeitsalltag? Viele Deutsche kommen nach einem „Hallo“ sofort auf den Punkt und fordern den Kollegen auf, etwas zu tun. In Mexiko gilt das als ungehobelt. Bevor man etwas fordert, fragt man: „Wie geht´s, was machen die Kinder, leidet die Tante noch an Gastritis?“ Nebenbei wird der eigentliche Grund des Besuchs genannt, verpackt in Höflichkeiten. Auf Katha wirkten die Mexikaner genauso fleißig, aber weniger organisiert: „Deutsche kaufen Druckerpapier, wenn noch zwei Packungen da sind, bei Mexikanern bricht beim letzten Blatt Hektik aus.“ Israel ist begeistert vom deutschen Organisationstalent: „Wenn man mit Deutschen Urlaub macht, recherchieren die vorher ob interessante Orte in der Nähe sind. Wir würden hinfahren und die Hälfte sehen!“

Liebe geht durch den Magen

Ein mexikanisches Sprichwort sagt: „Comida sin Chile es como amor sin besos“ (essen ohne Chili ist wie Liebe ohne Küsse). In Mexiko ist das Gesetz. „Ich fand das Essen super, aber manchmal habe ich es gar nicht geschmeckt, weil der Mund brannte,“ erzählt Caro, „Leider gab es außer Chili kaum andere Gewürze.“ Dafür schwärmt sie: „Ich hatte noch nie so gutes Obst gegessen, die Früchte sind kein Vergleich zu dem was wir in Deutschland kennen!“ Und was denken die Mexikaner über die Deutschen Kochkünste? Israel berichtet, ihm habe es in Deutschland sehr gut geschmeckt, vor allem die hausgemachten Rouladen und die Thüringer Bratwurst. Viele Mexikaner finden deutsches Essen langweilig. Manchmal hört man sie nach einer Europareise sagen: „Die haben da nur Spargel und Kartoffeln, da gibt’s nicht mal Tortillas.“ So könnte man aber auch behaupten: „Die Mexikaner essen nur Tortillas.“ Denn die mexikanischen Mais- oder Weizenfladen begleiten wirklich jede herzhafte Speise.

Dieser Artikel erschien im ehem. Jugend-Online-Portals des Goethe Instituts „Todo alemán“.