Münchener Studierende würden über die Mietpreise in Leipzig vermutlich nur müde lächeln, aber bei einem Stundenlohn von sechs Euro für einen Nebenjob verschieben sich die Relationen. Das beliebte Stadtviertel Connewitz im Leipziger Süden ist bekannte für bunte Menschen, Straßenkunst, Spartenläden und alternative Wohnkonzepte. Doch die Preise in den einst günstigen Wohnungen steigen rasant und verändern das Gesicht des Viertels.

Connewitz Gestern und Heute – Leipziger sehen ihre kulturelle Vielfalt durch die Modernisierung bedroht

Graffitis, kleine Läden, Kneipen und vegane Restaurants – der Stadtteil Connewitz im Leipziger Süden präsentiert sich bunt und kreativ. Abends finden Konzerte und Partys statt. Connewitz ist auch für Punkkultur und Hausbesetzungen bekannt. Junge Menschen sprechen von den Veränderungen des Viertels und von ihrer Liebe zu Connewitz.

Im Gegensatz zu anderen Szenevierteln Deutschlands, war Connewitz früher kein Arbeiterviertel. Im Gegenteil. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten sich hier reiche Leipziger Bürger an, da die idyllische Lage mit den großen Waldgebieten beliebt war. Auch Hedwig (20) schätzt an Connewitz die Grünflächen und Kanäle. Sie liebt das Viertel aber vor allem wegen seiner Atmosphäre: „Das Beste ist die Karli (Karl-Liebknecht-Straße) das Herz von Connewitz! Dort sind viele schnuckelige Läden und Cafés. Die Menschen sind sehr offen und es herrscht eine gemütliche, familiäre Atmosphäre. Ich bin wirklich froh hier zu wohnen!“ Auch Denise (28) pflichtet dem bei, sie mag vor allem die kulturelle und kulinarische Vielfalt: „ Hier gibt es viele vegane und vegetarische Restaurants mit Veggi-Burgern und Tofuschnitzeln. Zum Beispiel das Deli oder das Zest. Ein Paradies für Vegetarierinnen wie mich. Ich mag auch die Kneipen, zB. das Könich Heinz. Außerdem kann man hier gut weggehen. Ich war neulich bei einem Konzert im UT Connewitz. Dieser Verein gründete sich um eines der ältesten Lichtspieltheater Deutschlands als Kulturstätte zu erhalten.“

Gerade diese Initiativen zeichnen Connewitz aus. Auch Marcos (24) schätzt die Kultureinrichtungen. Er erzählt: „Das einzige momentan noch besetzte Haus in Connewitz ist die Liwi. Die anderen Häuser, die früher besetzt waren haben sich inzwischen in der AWC, der Alternativen Wohngenossenschaft Connewitz organisiert. Das ist eine super Initiative, so werden die Häuser vor der kommerziellen Nutzung geschützt und die Räume für Kultur- und Wohnprojekte gepachtet. Ein Laden der dazu gehört und günstige Veranstaltungen organisiert ist das Zoro. Hier spielen vor allem Punkbands.“ Aber Marcos und viele andere Connewitzer sehen das Viertel bedroht. Altbauten und alte Landhäuser sind baufällig und werden renoviert, was die Preise erhöht. Marcos erzählt: „Die Entwicklungen der letzen Jahre sind erschreckend! Immobilienhaie kaufen die Häuser, renovieren und vermietet sie sau teuer. Man kann sich das Wohnen hier kaum noch leisten. An jeder Ecke sieht man Baustellen. Es entstehen Konsum- und Wohntempel für Besserverdienende. Junge Leute ziehen inzwischen nach Plagwitz, da ist es wesentlich günstiger, aber auch hier setzt die Gentrifizierung ein, das heißt umso mehr Leute dort hinziehen, umso attraktiver und teurer wird es.“ Auch Tine (33) nimmt diese Entwicklung wahr. Sie trägt ein Baby auf dem Rücken und erzählt: „Connewitz ist in den letzten Jahren wesentlich schicker geworden. Die Häuser werden saniert und es ziehen Familien her, denen es früher zu assig gewesen wäre. Das Positive daran ist, dass es kinderfreundlicher wird, was uns zu Gute kommt.“ Am Ende der Tour durch Connewitz entdeckte ich Lisa (31) die in einer Klamottenkiste wühlt. Sie erzählt: „Genau das liebe ich an Connewitz! Wenn wir unsere Klamotten aussortieren stellen wir sie vor die Tür. Second Hand umsonst! Die Nachbarschaft hilft einander, hält zusammen und unterstützt sich bei Projekten und Ideen.“

Dieser Artikel erschien im ehem. Jugend-Online-Portal des Goethe Instituts „Todo alemán“.

Links zu Connewitz:

Vegan Essen Deli und Zest

Weggehen ins UT, Conne Island und Werk 2