Zieht der goldene Herbst durch Deutschland, ist es Zeit für weinhaltigen „Federweißer“ und Zwiebelkuchen. Während christliche Gemeinden das Erntedankfest feiern, zelebriert Weimar die Zwiebelernte. Zum 360. Mal bietet der Weimarer Zwiebelmarkt Stände mit Zwiebelkunst, Zwiebelkuchen, Zwiebelsuppe und sogar Zwiebelbowle. Abends rocken Größen der deutschen Musikszene die Bühne. „Viehe- und Zippelmarckt“ nannte man den Weimarer Zwiebelmarkt im Jahr 1653. Damals wurde alles Gemüse und Gewürz verkauft, was die Ernte einbrachte. Die Menschen mussten sich mit Nahrung eindecken, um den eisigen Winter zu überstehen. Sicher fiel den damals 5000 Einwohnern Weimars ohne Heizung und Strom der Abschied vom Sommer noch schwerer als uns. Auch Goethe schien den Zwiebelmarkt geschätzt zu haben. Sein Weimarer Wohnhaus war geschmückt von zahlreichen Zwiebelzöpfen. Diese kunstvoll gebundenen Zöpfe sind noch heute der Verkaufsrenner des Marktes. Ab dem 19. Jahrhundert wurden massenweise Zwiebeln angekarrt, um den vielen Besuchern gerecht zu werden. Der Markt war nun überregional bekannt und die Menschen reisten von weither an. Der Weimarer Zwiebelmarkt überlebte auch die DDR-Zeit, in der er auf einen Tag gekürzt wurde. Das DDR-Regime kam damals kaum gegen unangemeldete Musikauftritte an, bei denen vom Staat verbotene Lieder des Westens erklangen. Heute herrscht künstlerische Freiheit und es wird spannend welche Musiker organisiert werden.

Dieser Artikel erschien im ehem. Jugend-Online-Portal des Goethe Instituts „Todo alemán“ als Kulturtipp.

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www.weimar.de/zwiebelmarkt