Ganz ehrlich, wer von uns weiß, was Allerheiligen genau ist? Gut, ein paar Katholiken in Münsterland und Bayern können die Frage vielleicht beantworten, die Mehrheit in Deutschland hat jedoch keine Ahnung von überholten Feiertagen, an denen es weder Geschenke noch Liebesschwüre gibt. Allerheiligen in Mexiko heißt Día de los Muertos „Tag der Toten“ und ist eines der größten, aufwendigsten und bekanntesten Events im Festtagskalender.

Folgender Artikel erschien im ehem. Jugend-Online-Portal des Goethe Instituts „Todo alemán“ als Kulturtipp. Außerdem biete ich ausführliche kulturhistorische Vorträge mit gemeinsamen Totenkopfbasteln an.

Das mexikanische Allerheiligen Fest – el „Día de los muertos“

Ab Mitte Oktober wird es in Mexiko mystisch und unheimlich: überall stehen Skelette, mit bunten Federn und Farben geschmückt, männliche und weibliche Totenschädel werden mit Hüten, Zigarren, Trompeten und vielem mehr dargestellt. Die Vorbereitung zum „Día de los muertos“ läuft auf Hochtouren. Zum Allerheiligen gedenkt man im christlichen Glauben den einst gestorbenen Heiligen, in Mexiko wurde dieses Fest durch die Vermischung des indigenen und christlichen Glaubens zum Tag an dem man den Toten gedenkt. In Häusern und öffentlichen Plätzen werden „Ofrendas“ (Altäre) hergerichtet und mit Bildern und Hinterlassenschaften der Verstorbenen versehen. Auch schmücken den Alltar Dinge, die den Toten zu Lebzeiten Freude bereiteten, wie ein Glässchen Tequila, Ziegarren oder Schmuck. Bunte Blumen, Totenköpfe aus Zucker und kultische Symbole des Todes verzieren die Altäre. Dann werden gelbe Blüten der „Flor de Muertos“ (Blume der Toten) aber auch Ringelblumen und Chrysanthemen vom Altar bis zum Grab des Toten gelegt, damit der Verstorbene in der Zeit vom 31. Oktober bis zu Allerseelen am 2. November den Weg in das ehemalige zu Hause findet. Schließlich feiert man auf dem Friedhof den Abschied von den Verstorbenen, die wieder in das Totenreich zurückkehren müssen. Hier findet ein buntes Volksfest statt. Man isst und trinkt zwischen den Gräbern und auf den Straßen laden Stände mit Schmuck, Spielzeug, Speisen und Musik zum flanieren ein.

Der Día de los Muertos heute

Der Ursprung des mexikanischen Totentags entstammt eines Synkretismus, die Vermischung der alten indigenen Religionen mit dem christlichen Glauben. Im Wandel der Zeiten haben sich die Feierlichkeiten verändert, auch das US-Halloween hat seinen Abdruck im heutigen Feiern hinterlassen. Doch auch die Rückbesinnung auf die authentischen Kulturgüter Mexikos sind heute zu spüren. Auch in den USA orientieren sich „Chicanos“ (Menschen mit mexikanischem Migrationshintergrund) an alten Traditionen der mexikanischen Vorfahren, sie stellen Totenköpfe aus Zucker her und singen alte Volkslieder. Trotzdem ist der schaurig, mystische Totentag in Mexiko ein gefundenes Fressen für postmoderne Studi-Partys und Verkleidungssessions.