Im Jahr 1994 trafen sich befreundete Musiker im Norden Mexiko-Stadts und waren wohl selbst von der Kraft überwältigt, die sich aus dem gemeinsamen Klang ergab. Trompeten und Posaunen sorgten für Ska-Stimmung, das schnelle Schlagzeug und die schreiende Stimme bestimmten den Hardcore Einfluss. Sekta Core war geboren.

Sekta Core kommt aus Atizapán de Zaragoza, das im Norden nahtlos in Mexiko-Stadt übergeht und oft als „Stadtteil“ wahrgenommen wird. Tatsächlich ist Atizapán mit fast 500.000 Einwohnern ein eigenständiges Municipio, eine Art Landkreis in der „Zona metropolitana del Valle de México“. Hier probte Sekta Core den Einzug in die mexikanische Underground Musikszene. Mit viel Spielfreude verbanden sie den schwungvollen Ska mit dem lauten Hardcore Sound. So entstand der Bandname aus dem neu erfundenen Musikgenre „Skacore“.

Wie in der Undergroundszene üblich, handelten die Texte zunächst von der sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Situation Mexikos. Im Lied „Civilización“ klagt Sekta Core die Korruption und Waffengewalt an. Zurzeit handeln die Lieder von persönlichen Gefühlen und Abenteuern. Nach dem ersten eigenen Album „terrorismo kasero“ erhielt die energiegeladenen Band viel Aufmerksamkeit. Auch Sony Music wurde hellhörig und produzierte die folgenden zwei Alben. Die Mischung von Hardcore und Ska war noch nie da gewesen. Obwohl man mit Latino-Rhythmen, wie Salsa und Cumbias ein großes Publikum erreicht, blieb die Band unbequem, laut, wütend und straight forward. In Nordmexiko und den USA ist Sekta Core inzwischen bekannt. Der mexikanische Musiksender Telehit brachte sie in die Wohnzimmer ihrer Landsleute. 2002 spielten sie während ihrer bislang einzigen Europa-Tour auch in deutschen Clubs.

Im Gespräch mit Armando Vázquez, Keyboarder von Sekta Core

Sekta Core spielte nun schon häufig in den USA und rockte ausverkaufte Shows. Der Keyboarder und ausgebildete Musiker von Sekta Core, Armando Vázquez, erzählt von seiner Erfahrung und den Unterschieden zwischen Auftritten in Mexiko und den USA.

In welchen Regionen ist Sekta Core bekannt?

Man kennt uns dort, wo wir am meisten auftreten, natürlich erstmal in unserem eigenen Bundesstaat Mexiko. Im Laufe der Jahre spielten wir in weiten Teilen Mexikos, 2004 erstmals in Kalifornien in ausverkauften Läden. Wir traten oft im Norden Mexikos und der Grenzregion auf. Man kennt uns in Städten wie Guadalajara, Tijuana, Mexicalli, und Hidalgo. In den USA spielten wir oft in Los Angeles, Anaheim, San Francisco, San Jose, San Diego, Chicago und New York.

Welche Menschen kamen in den USA zu euren Gigs?

Die Meisten sind in den USA geboren, haben aber mexikanische Eltern. Andere sind illegal auf der Suche nach einem besseren Leben. Mexikaner reden oft abfällig von „Pochos“, Menschen, die ihre spanische Sprachpraxis verloren haben und beim Spanischsprechen Englische Wörter benutzen. Ich hab das an keinem Ort erlebt und das war eine der größten Impressionen für mich in den USA.

Was gibt es für Unterschiede zwischen dem Publikum in Mexiko und den USA?

Die Energie und die Lust zu singen und zu tanzen sind gleich. In Mexiko ist das Publikum aber farbenfroher. Außerdem ist es üblich bei Konzerten der Undergroundszene seine Puppen mitzunehmen und in die Höhe zu halten. Die Leute tanzen gern im Kreis nach vorn, man nennt das „Kreis der Brüderschaft“. In den USA tanzen sie nach hinten, irgendwie rückwärts. Dort tragen sie weder bunte Farben, noch Puppen bei sich, dafür viel mehr Tattoes und Piercings. Aber es herrscht dieselbe Energie von Freundschaft und Solidarität.

Wie unterscheidet sich die Feierkultur in den Clubs?

Wenn in Mexiko ein Konzert vorbei ist, bleiben die Leute noch ein bisschen und trinken ihr Bier aus, das oft in Litern ausgeschenkt wird. Sie haben es nicht eilig und niemand schmeißt sie raus. In den USA kommt direkt nach der Show die Security und fegt die Leute aus dem Laden, so als ob es einen Notfall gäbe und eine Naturkatastrophe einbräche, wegen der sie um ihr Leben laufen müssten. Sie rufen „Come on everybody!  Get out of here, you can´t be here, go home, go home! Come on, hurry up!”

Repräsentiert Sekta Core die Metropole Mexiko-Stadt?

Sekta Core ist eine Band aus dem Bundesstaat Mexiko, nicht aus dem Distrito Federal. Auch wenn es wie ein einziges „Mexiko-Stadt“ aussieht, es ist nicht das Gleiche. Wir betrachten uns nicht als eine Band, die die Hauptstadt repräsentiert oder die Eigenschaften der „Chilangos“ besitzt, wie man die Hauptstädter hier nennt. Natürlich werden wir von der Hauptstadt beeinflusst, weil wir direkt an ihrer Seite liegen, aber wir gehören nicht dazu.

Du meintest viele Konzertgänger in den USA haben mexikanische Wurzeln, ist Sekta Core für sie eine Band, durch die sie sich mit der Heimat ihrer Eltern identifiziert?

In den USA kennt man Sekta Core durch unsere Protestlieder der 90er Jahre. Die Mexikaner in den USA interessieren sich sehr für die Zustände in Mexiko, über die unserer Lieder erzählten. Sekta Core ist in den USA auch für den einmaligen Sound bekannt, der sich von vielen Bands unterscheidet. Man kennt uns als Vorreiter der mexikanischen Ska-Bewegung und als Band, die oft in der Grenzregion spielt. Viele Menschen in den USA können das Land nicht verlassen, weil man sie nicht wieder reinlassen würde. Diese Leute mussten lange warten, bis wir unsere mexikanische Undergroundmusik Live zu ihnen brachten.

Wie würdest du die Fans von Sekta Core charakterisieren?

Viele Fans machen sich Gedanken um ihren sozialen, ökonomischen und kulturellen Status. Sie sind offen für neue Ideen, haben viel Energie und demonstrieren gern. Egal ob in Mexiko oder in den USA, sie unterstützen Bewegungen, die in ihrer Mitte des Volkes entstehen. Vielleicht sind die Menschen, die uns 1994 hörten verheiratet, haben Kinder, einen festen Arbeitsplatz und besuchen unsere Konzerte nicht mehr. Aber vielleicht sind es jetzt ihre jüngeren Geschwister, Neffen oder sogar Kinder, die kommen und unsere Lieder mitsingen. Menschen die friedlich, harmonisch und voller Kraft tanzen.

Schlagzeug – Miguel Rizo

Gesang – Jorge Salcedo

Gitarre – Carlos Alvarez

Bass – Ivan Rubio

Keyboard – Armando Vazquez

Trompete – Galo Reyes

Posaune – Poporo Ramirez

Dieser Artikel erschien im  ehem. Jugend-Online-Portal des Goethe Instituts „Todo alemán“.

Links

 

https://myspace.com/sektacore

https://de-de.facebook.com/sektacoreoficial

http://www.purevolume.com/sektacore

http://www.lastfm.de/music/Sekta+Core

http://www.ratconcerts.com/artistas.php?idart=349

http://www.difusionalternativa.com.mx/sitio/index.php/bandas-recomendadas/10-sektacore

 

Videos

 

Delfino:

http://www.youtube.com/watch?v=JLdqm8BLYFw

 

Menos yo:

http://www.youtube.com/watch?v=XKNtfUgo0Lk

 

Promo-video für das Festival Vive Latino” 2012

http://www.youtube.com/watch?v=_5hSdLEsrsU

 

Fernsehauftritt in Animal nocturno

http://www.youtube.com/watch?v=M4NW7JZhNzs