Der Debütfilm des jungen Ehepaars Christian Kracht und Frauke Finsterwalder war eine Punktlandung.Makaber, lustig und brutal zeichnet sich eine begierige Suche nach dem richtigen Leben ab. Das Autorenpaar schilderte auf der „Cologne Conference“ von ihrer Zusammenarbeit. Obwohl der Bestsellerautor und die Dokumentarfilmerin keine Erfahrungen mit dem Drehbuchschreiben hatten, lockte ihr Schreibstoff Größen wie Corinna Harfouch ins Filmprojekt. Der Erfolg des mehrfach prämierten Films liegt in der distanzlosen und authentischen Darstellung feinfühlig skizzierter Charaktere. Die Szenencollage schildert miteinander verwobene Geschichten von Träumen, Machtspielen und menschlichen Abgründen.

Finsterworld zur Preview auf der Kölner Leinwand während beim internationalen Film- und Fernsehfestivals „Cologne Conference“

Vor Kurzem gewann der deutsche Kinofilm „Finsterworld“ den TV Spielfilm-Preis bei der Cologne Conference. Beim World Film Festival in Montreal, Kanada erhielt er den Preis für den besten Debütfilm. Der skurrile Streifen lässt sich in keine Schublade stecken. Er liegt zwischen Komödie und Drama, Realität und Fiction, Episoden- und Familienfilm mit Horrorelemente. Lacht man sich bei einer Szene kaputt, schnürt sich kurz darauf die Kehle zu.

Bezeichnend ist das intensive Gefühl, das der poetisch-grausame Film vermittelt. Der Zuschauer taucht in fünf parallellaufende Geschichten ein, die sich teils überschneiden. Eine Schulklasse fährt in die Gedenkstätte eines ehemaligen Konzentrationslagers und hört gelangweilt dem Geschichtslehrer zu, der versucht die Grausamkeit der Nazis in die Köpfe verwöhnter Jugendlicher zu bringen. Ein Fußpfleger ist verliebt in seine Kundin und mischt ihre Hornhaut in seinen Keksteig. Eine Dokumentarfilmerin versucht das Leben der unteren sozialen Schicht zu filmen während ihr Mann einen Kuscheltier-Fetisch ausübt. Gemeinsames Thema ist das distanzierte Leben in Deutschland und die Sehnsucht nach Nähe.

Drehbuch schrieb das Ehepaar Christian Kracht und Frauke Finsterwalder. Er ein Bestsellerautor, sie eine Dokumentarfilmerin, die auch die Regie des Films übernahm. Im Werkstattgespräch der Cologne Conference erzählte sie: „Erst wollte ich einen Drehbuchautor suchen, der die Technik beherrscht, aber Christian hat das verboten.“ Er bemerkte: „Es ist schön mit jemanden zu arbeiten, den man liebt. Wir schrieben völlig intuitiv und gelangten schnell in eine intensive Tiefe.“ Viele Figuren des Films seien ihnen in abgewandelter Form im realen Leben erschienen. Wer kennt das nicht: Man beobachtet Leute und dichtet ihnen einen Charakter oder eine Biographie an. Das kann unterhaltsam sein und bietet Filmstoff!

Dieser Artikel erschien im Oktober 2013 im ehem. Jugend-Online-Portal des Goethe Instituts „Todo alemán“ als Kulturtipp.

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