Weil Frederik aus Münster und Luis aus Guadalajara die Leidenschaft für den Fußball und das Schreiben teilen, publizierten die Freunde ein Fußballbuch. Sie erzählen, wie der kulturelle Austausch den kreativen Prozess beflügelt.

Worum geht es im Buch und wie kam es dazu?

Luis: Freddy und ich spielten einmal in Münster Fußball. Ich habe mich übel hingelegt und er hat haushoch gewonnen. Ich wollte eine Revanche. Das Buch ist ein Freundschaftsspiel mit Worten statt mit Bällen. Freddy ist der deutsche und ich der mexikanische Trainer. Jeder hat 11 Kapitel zu 11 Themen und schreibt aus der Sicht seiner Kultur, wobei natürlich auch die persönliche Perspektive als Fan zum Vorschein kommt. Wir haben verschiedene Genres ausgelotet, wie informative Berichte, persönliche Reportagen und fiktive Interviews. Es ging uns darum zu zeigen, was die Leidenschaft zum Sport über die Kultur aussagt. Fußball ist wie ein Spiegel des Lebens, da treten Dinge wie Machismus und Homophobie ebenso auf wie Freundschaft.

Frederik: Wir wollten durch den Volkssport Nummer Eins und das wohl größte Theater unserer Länder mehr über unsere Kulturen lernen. Die Kapitel zeigen überraschende Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Wie habt ihr das Ganze umgesetzt?

Luis: Wir haben per E-Mail Fragen erörtert, die sich einem mexikanischen bzw. deutschen Leser eröffnen könnten. Per Skype sprachen wir über Abläufe, Themen und Deadlines. In Deutschland haben wir gemeinsam Einleitung und Schluss verfasst. Erschienen ist es in Mexiko im Verlag De Lo Imposible Ediciones. Wir suchen noch einen deutschen Verlag.

Prallten die Kulturen aufeinander?

Luis: Eigentlich nicht. Es fluppte leicht, spaßig und interessant. Ich habe dank Freddy einiges über den deutschen Fußball gelernt. Die deutschen Leser können sich darüber streiten, warum er Günter Netzer und nicht Beckenbauer oder Uwe Seeler statt Rudi Völler beschreibt.

Frederik: Der größte Unterschied lag in der Herangehensweise, die bei Luis eher literarisch und bei mir eher journalistisch ist. Anfangs wusste ich wenig über mexikanischen Fußball. Luis hat mich mit vielen Geschichten überrascht. Zum Beispiel mit der Anekdote des Torwarts Jaime El Tubo Gomez, der während eines glorreichen Derbys lesend am Torpfosten lehnt. Beeindruckt hat mich die Relevanz für die Bevölkerung: Luis macht deutlich, dass bezogen auf den römischen Spruch „Brot und Spiele“ der Fußball für Mexiko den essenziellen Part des Brots einnimmt. Bill Shankly hat recht mit seinem Satz „Es gibt Leute, die denken Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist“.

Würdet ihr noch mal zusammenarbeiten, oder arbeitet es sich leichter allein?

Frederik: Auf jeden Fall. Mag sein, dass es sich allein leichter arbeitet, aber es muss ja nicht immer leicht sein. Außerdem heiligt in diesem Fall der Zweck mit Sicherheit die Mittel.

Luis: Das ist nun das dritte Buch, das ich im Team geschrieben habe und ich finde es sehr bereichernd. Als Autor lernt man viel, wenn man den kreativen Prozess teilt. Die Fähigkeiten des Einzelnen erweitern sich. Ich glaube man genießt Bücher ebenso wie Tore besser gemeinsam! Ich würde auf jeden Fall wieder mit Freddy arbeiten. Aber nicht zum Thema Fußball. Ich möchte mexikanische Spiele wieder sehen, ohne dabei zu grübeln, wie man sie für Deutsche interessant macht.

Dieser Artikel wurde im Auftrag des ehem. Jugend-Online-Portals des Goethe Instituts „Todo alemán“ verfasst.