„Guadalupe ist Mexikanerin!“, heißt es in Mexiko. Aber stopp mal, Guadalupe, das ist doch die Jungfrau Maria, die Mutter Jesu. „Klar!“, antwortet Mexiko. „Trotzdem war sie Mexikanerin!“ Offensichtlich liegt in diesem Paradoxon ein ganzer Batzen Mythologie, Religionsgeschichte und Kulturwissenschaft.

Wie eine katholische Heilige zum Nationalsymbol mexikanischer Einheit wurde

Der Guadalupe-Kult hat sich in Mexiko von der Kolonialzeit des 16. Jahrhundetts bis heute durchgesetzt. Was mit der Anbetung der indigenen Göttin „Tonantzin“ begann, wurde in Mariengestalt zum Schlachtruf der Unabhängigkeit und Revolution. Guadalupe wurde Nationalsymbol und ziert noch heute die Fahnen demonstrierender Mexikaner in den USA.

Wo wird der Festtag der Guadalupe am 12. Dezember gefeiert?

Der größte Marienwallfahrtsort der Welt ist die Basilka der Guadalupe in Mexiko-Stadt. Es ist ein unfassbares Schauspiel, wenn Menschenmassen am Festtag der Virgen de Guadalupe in dieses Gotteshaus strömen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden neue und größere Kirchen auf dem heiligen Berg „Tepeyac“ erbaut, wo einst Guadalupe, also Maria, vor einem „Indio“ erschien. Heute fasst die moderne Basilica 10 000 sitzende und 40 000 stehende Menschen. Sie ähnelt eher einem Stadion denn einem Rückzugsort des stillen Gebets. Mehre Reihen hochmodernen Beichtstühle verraten durch elektronische Lampen, ob sie besetzt sind.

Von der Legende zur Patronin Lateinamerikas

Guadalupe ist nicht mehr nur Schutzpatronin Mexiko-Stadts oder Mexikos, ganz Lateinamerika hat sie zu ihrer Patronin gemacht und illustriert die Legende der Erscheinung Guadalupes unterschiedlich. Argentinier stellen den Protagonisten der Erscheinugnslegende als Gaucho dar, Peruaner als Inca.Tatsächlich soll Juan Diego, vor dem Guadalupe erschien, ein Nachkomme aztekischer Eltern sein.

Einen kurzen Überblick zur Guadalupetradition schrieb ich für das einstige Online-Portal „Todo alemán“ des Goethe-Instituts. Eine detailliertere Auseinandersetzung mit dem Thema ist auf der ILA-Online zu finden.